La Stoffa di Prato

Eine Geschichte, die von Francesco Datini bis hin zu umweltverträglichen Projekten reicht

Die Stadt Prato liegt in der Region Toskana. Ihre Entstehung geht auf das 10. Jahrhundert zurück, auch wenn die Prato-Ebene schon

seit der Zeit der Etrusker bewohnt war. Was die Wirtschaft betrifft, so hat sich die Stadt seit dem Mittelalter stets durch ihre Textilproduktion hervorgetan, wie die Dokumente der berühmten Persönlichkeit Francesco Datini belegen, auch wenn die Wirtschaft im 19. Jahrhundert eine wichtigere Entwicklung genommen hat. Darüber hinaus verfügt Prato über historisch-künstlerische Werke von großer Bedeutung, wie der Santo Stefano gewidmete Dom, der sich im historischen Zentrum befindet und in dessen Innerem zahlreiche Fresken zu sehen sind, sowie die Basilika Santa Maria delle Carceri, ein Werk des Architekten Giuliano da Sangallo.

Museo del Tessuto - Textilmuseum

Das Museum wurde 1975 aufgrund der Schenkung einiger Stoffe von Loriano Bertini an die Technische Oberschule Buzzi gegründet.

Die Stoffe befanden sich in der Schule bis 1997, dann wurde der Sitz bis 2003 in ein Gebäude an der Piazza del Comune verlegt. Prato ist eine Textilstadt, deshalb sind die Textilsammlungen von 1975 bis heute mit dem derzeitigen Umfang angewachsen. Von der frühchristlichen Zeit bis zur Moderne verfügt das Museum über etwa 6.000 Exponate.

Im Museum gibt es auch Bücher, Modefiguren aus dem 18. Jahrhundert, Maschinen, Muster der Färbetechnik und Werkzeuge für die Webereiverarbeitung aus verschiedenen Epochen. Gegenwärtig wird das Museum von verschiedenen Prateser Stellen verwaltet, einschließlich der Industrie- und Handelskammer. Seit 2003 befindet sich das Museum in der ehemaligen „Cimatoria Campolmi“, eine der ältesten Fabriken der Stadt Prato.

Museo del Tessuto - Via Puccetti 3 – 59100 Prato (PO)

Weitere Informationen wie Öffnungszeiten, Eintrittspreise, Vorbuchungen etc. finden Sie im Site des Museums   www.museodeltessuto.it

Francesco di Marco Datini
Francesco Datini wurde im Jahr 1335 geboren. Er war der Sohn des Wirtes Marco Datini und seiner Frau Vermiglia. Er war einer der wichtigsten Kaufleute der Zeit. Er gründete eine große Firma für den Handel mit Stoffen, Gewürzen, Weinen und Ölen mit Sitz in Avignon und dann in Prato, wo er auch eine Wollfabrik und eine Färberei gründete.

Sein Ruhm beruht außerdem auf den Archiven aus Briefen und Registern, die sich heute im Staatsarchiv im Palazzo Datini befinden. Daher gilt er als Erfinder des Unternehmenssystems und des Schecks. Wir erinnern uns auch, dass um 1390 das Zeichen des @ zum ersten Mal in der Handelskorrespondenz des Händlers erscheint. Datini traf sehr wichtige Persönlichkeiten, wie Francesco Gonzaga und König Ludwig II. von Anjou.

Datini starb am 16. August 1410 und verfügte die Einrichtung der Institution zugunsten der Armen "Ceppo dei poveri di Francesco di Marco", die heutige Casa Pia dei Ceppi, der der Kaufmann alles überließ: Ein Vermögen im Wert von über 100.000 Goldtaler.

Der Palazzo Datini, in dem sich noch heute die Wohltätigkeitsorganisation befindet, ist ein seltenes Beispiel für ein spätgotisches weltliches Gebäude, in dem sich auch die Casa Francesco Datini, ein Museum, befindet. Neben enormen wirtschaftlichen Ressourcen hatte Francesco Datini starke Symbolik und Emotionalität in den Familienpalast investiert und projiziert und einen ganzen Stadtblock umgestaltet - der sich heute zwischen der heutigen Via Rinaldesca, der Via Ser Lapo Mazzei, Vicolo del Ceppo und Vicolo del Porcellatico befindet.. www.museocasadatini.it

Casa Datini - Via Ser Lapo Mazzei, 43 - 59100 Prato PO

I cenciaioli - Die Lumpenhändler
Der Cenciaiolo („Lumpenhändler“) ist eine sehr wichtige Figur in der Geschichte von Prato. Es war der Beruf, der die Wiederbelebung des lokalen Wirtschaftssystems einleitete. Er hat sehr weit entfernte, historische Ursprünge, entwickelte sich jedoch hauptsächlich in der Nachkriegszeit, als die Rohstoffe knapp waren. Wer diese Arbeit verrichtete, hatte schon immer eine anstrengende Aufgabe, da man den ganzen Tag in unbequemen Positionen sitzen und die verschiedenen Kleidungsstücke nach Gewicht, Zusammensetzung und Farbe sortieren muss.

Trotz der Schwierigkeiten kann dieses Handwerk aber auch viel Neugier wecken und hat seinen Charme, da unter den verschiedenen Kleidungsstücken oft viele Gegenstände zu finden sind, die die Geschichte der Kleidung erzählen, wie Souvenirs und Münzen.

Hier sei daran erinnert, dass der berühmte Prateser Curzio Malaparte im Aufsatz "Maledetti Toscani" die große Bedeutung des Lumpenhändlers für die Modewelt und die Stadt Prato bekräftigte und
schrieb: "In Prato, wo alles endet: Ruhm, Ehre, Mitleid, Stolz, die Eitelkeit der Welt."


Le gore - Die Mühlbäche
Die Gore sind ein komplexes Wasser-Netzwerk in Prato. Sie entspringen an den verschiedenen Stellen des Bisenzio, dem Hauptfluss der Stadt, und durchqueren das gesamte Gebiet von Norden nach Süden.

Die Rolle der Gore war entscheidend, aber auch wenig bekannt.

Dieses System gibt es seit Anfang des 11. Jahrhunderts und es trägt den Namen "Cavalciotto" (‚kleines Pferd‘). Der Name leitet sich wahrscheinlich von der Struktur ab, die eine Biegung des Flusses Bisenzio darstellt. Von dort aus wird das Wasser des Flusses kanalisiert.

Der wichtigste Teil der Mühlbäche wird Gorone genannt. Er war derjenige mit dem höchsten Wasserdurchfluss, und dort begannen Wasserwerke zu entstehen, die später zu Industriegebäuden wurden. Das Gefälle beträgt etwa 50 Kilometer oder mehr.

Insgesamt gibt es 5 Gore in Prato, und jeder hat mehrere Namen, je nach dem Gebiet, in dem er sich befindet.

 

Projekte der Zukunft:

Ökologische Nachhaltigkeit: Von der Wiederverwertung und Neuaufwertung gebrauchter Materialien und Einsparung von Ressourcen

Zwei Schüler des Carlo Livi Gymnasiums in Prato haben eine Firma besichtigt, die Mitglied im Verband ASTRI, associazione tessile riciclato italiana, des italienischen Textilrecycling Verbands, ist.

Hier ist ihr Bericht:
"Wir haben ein Prateser Unternehmen besichtigt, das schon seit langem Textilien aus recyceltem Material produziert. Mit dem Firmenleiter haben wir insbesondere über die Bedeutung und Wichtigkeit von Recycling gesprochen, sowie auch darüber, welche wirtschaftlichen Vorteile es gibt. Dann haben wir die Vorteile dieses Verfahrens vertieft. Beim Recycling von Textilien ist ein wesentlicher Vorteil, dass weniger Wasser und weniger Pflanzenfasern verbraucht werden.
Im ersten Teil unseres Rundgangs haben wir die Maschinen und Instrumente gesehen und erläutert bekommen, die in der Firma eingesetzt werden. Außerdem konnten wir einige Mitarbeiter kennenlernen, die uns berichteten. Am Ende haben wir verstanden, wie wichtig der ganze Mechanismus ist.

Danach haben wir über die wirtschaftlichen Aspekte des Projekts gesprochen. Diese Prozedur ermöglicht es nämlich, viele Ressourcen einzusparen, denn viele Gewebe und Fasern in Italien stammen eigentlich aus dem Ausland und haben daher hohe Transportkosten.

Zu guter Letzt haben wir über das Wohl unseres Planeten und unser Leben nachgedacht. Das ist ein wichtiger Aspekt. Durch diese Erfahrung konnten wir verstehen, wie wichtig Recyceln für uns und unseren Planeten ist, und wie entscheidend es ist, dass wir neue Produktionsarten finden.

Die Textilverarbeitung in Prato ist nämlich nicht nur Geschichte, nicht nur Museen, sondern vor allem auch Ökologie und Innovation. Und in Sachen ökologischer Textilien ist Prato in Europa ganz weit vorne.